Die grosse Freiheit.

September 20, 2018

 

Grosse Entscheidungen werden meist trotz vieler Ängste getroffen. Würde es nicht ein Abwägen der Vor- und Nachteile geben, wäre es wohl keine gravierende Entscheidung. Zumindest nicht in meiner Welt. Meistens spielt bei der Entscheidungsfindung ein ganz fieses Ding eine grosse Rolle - die Komfortzone. 

 

Ich hatte das Gefühl, gut gewappnet zu sein, als ich entschied meinen sicheren Hafen gegen ein fahrendes Schiff zu tauschen. In vielen Meditationen kam ich meinen Ängsten auf die Spur und konnte mich mit ihnen auseinandersetzen. Meine Komfortzone, die Schweiz, zu verlassen, mit all ihren Annehmlichkeiten, Gewohnheiten und Zwängen, um die Freiheit der Welt zu spüren, war wohl überlegt. Ich dachte dies sei ein einmaliger Vorgang. Reflektieren, Abwägen, Entscheiden, Happy ever after... Mit was für gemeinen Tricks mein Unterbewusstsein aber seither versucht mich umzustimmen, könnte unterhaltsamer nicht sein.

 

Let your dreams be bigger than your fears. Dieses Mantra begleitet mich als Talisman. Wann immer die Komfortzone an mir zerrt, halte ich es ihr entgegen, wie Knoblauch gegen einen Vampir. Als ich aus Schweden zurück kam, habe ich sofort angefangen, mit Freunden über meine Vision zu reden. Ich hatte mit viel Gegenwind gerechnet, aber interessanterweise erfuhr ich nur positive Reaktionen. Also wurde ich mutiger und fing an, Pläne zu schmieden. Bis zu diesem Zeitpunkt war ja alles noch eine nicht greifbare Spinnerei. Ich dachte, meine Komfortzone sei auf Friedenskurs. Die vielen Tränen und schlaflosen Nächte während meiner Ferien hatten sie wohl milde gestimmt. Das war fast zu einfach.

 

Und dann schlug sie voll zu. Und ich konnte mich von aussen beobachten, wie ich in ihre Falle tappte. Es gibt Tage, an denen ich aufwache und aus keinem bestimmten Grund weniger Energie habe als an normalen Tagen. Und auf so einen Tag wartete sie. Als ich in meiner Wohnung sass, überkam mich auf einmal eine so starke Traurigkeit, dass ich diese Räume einfach aufgeben würde, dass ich dieses wohlige Gefühl nirgends mehr spüren würde, dass all meine schönen Sachen bald jemand Anderem gehören würden. Auf einmal umgab jeden Gegenstand in meinem Zimmer so eine Wärme. Als wären es Lebewesen, die zutiefst enttäuscht wären, dass ich sie einfach im Stich liess.

 

Plötzlich bekundeten mir Menschen, mit denen ich sonst nur am Rand zu tun hatte, ihre Sympathie und sagten mir wie traurig sie wären, dass ich gehe. Plötzlich wurde mein Job zum Traumjob mit unendlichen Möglichkeiten. Obwohl ich mich mit vollem Bewusstsein gegen ihn entschieden hatte, weil er zuviel Raum einnahm und meine Werte inzwischen von dieser Art der Arbeit abgerückt waren. Sich zum jetzigen Zeitpunkt dagegen zu entscheiden, erschien mir wie beruflicher Selbstmord. 

 

Mein Unterbewusstsein kommunizierte nur noch in Superlativen. Plötzlich traten Männer in mein Leben, ohne dass ich mich um sie bemüht hätte. Sogar einen Liebesbrief erhielt ich. Und aus einem Mann, mit dem ich noch nie ein Wort gewechselt hatte, wurde mein Traummann, der nur auf den richtigen Moment wartet, um mich endlich anzusprechen. Der Schweizer Sommer war der schönste seit Jahren, die Sonnenuntergänge atemberaubend und meine morgendlichen Fahrradtouren am Fluss wurden gesäumt vom Nebel über dem Fluss, der von der aufgehenden Sonne rot angemalt wurde. Ich platzte fast vor lauter Liebe zu diesem Ort.

 

In der Summe wäre es doch ziemlich dumm, jetzt zu gehen. Wie oft kam mir dieser Gedanke. Beim ersten Mal, als die Komfortzone ihr Bettchen so kuschlig her richtete, war ich tatsächlich am Wanken. Mir war übel und ich fragte mich, warum ich nicht ein normales Leben wie jeder andere Mensch führen könne. Und dann nahm ich mir die Zeit, dem auf den Grund zu gehen. Schöne Möbel sind nur Materielles und können jederzeit ersetzt werden. Tolle Menschen finde ich überall auf der Welt und die ganz wichtigen würden mir auch bleiben. Grossartige Männer werden mir ab jetzt immer begegnen, denn ich bin in meiner vollen Kraft und das zieht sie an. Und die, die mich nicht ansprechen, haben auch kein Traummann-Potential. Die berufliche Erfüllung werde ich in allem ausserhalb meiner jetzigen Branche finden. Ganz viel Eiscreme von der falschen Sorte macht eben auch nicht glücklich.

 

All das erkannt zu haben, bringt mich meinem Traum wieder ein Stück näher. Genau wie das Schreiben dieses Blogs. Wie es weiter geht, erfährst Du hier.

 

Danke fürs Lesen.

 

Happy day,

Deine Anja

 

 

 

 

 

 

 

 

Please reload