Die Zukunft kommt näher.

October 28, 2018

Die kalte Jahreszeit ist da und mit ihr die Erkenntnis, dass sie meinen letzten Sommer in der Schweiz abgelöst hat. Die nächsten warmen Tage werde ich schon auf einem anderen Kontinent erleben. Die Abreise wird langsam greifbar und die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren.

 

Ich fange mich bereits an zu verabschieden. Von Orten, von Menschen und von Besitz. Meine Bucket List ist voll mit Wanderungen zu den schönsten Plätzen der Schweiz. Ich teile diese Erlebnisse mit meinen engsten Freunden und merke, wie schwer es mir fällt, nicht zu wissen, ob wir so etwas nochmal teilen werden. In solchen Momenten kommen Zweifel auf, ob es wirklich richtig ist, das alles hinter mir zu lassen. Ich hinterfrage meine Unzufriedenheit, die mich dazu gebracht hat, mein sicheres Leben aufzugeben, um mich auf das Abenteuer "Reise zu mir selbst" einzulassen. Wenn ich vor atemberaubenden Kulissen stehe mit Menschen, die ich liebe, verstehe ich mich manchmal selbst nicht.

Und doch besteht das Leben nicht nur aus diesen ehrwürdigen Momenten. Sie sind nur die Kirsche auf der Sahne. Es sind immer wieder dieselben Gedanken, die aufkommen, um mich zu verunsichern. Was hilft, ist immer dasselbe Ritual, mich mit meinem Inneren zu verbinden und an die Momente zu denken, die vor mir liegen. 

 

Mein Plan steht. Der Flug ins Abenteuer ist gebucht - one way. 3 Monate lang werde ich die Begrenzungen um mich herum niederreissen und die Tür zu neuer Inspiration öffnen. Ich erfülle meinen Traum und starte mit einer ayurvedischen Panchakarmakur in Sri Lanka. Ein Reset für Körper und Geist als Basis für das, was folgt. Danach gehts weiter nach Thailand und Bali, wohin mich schon die erste Freundin begleitet. Meine Angst, die Bindungen zu engen Menschen zu verlieren, scheint schon jetzt unbegründet. Viele warten nur auf den richtigen Moment, um einen Teil meiner Reise mir mir zu verbringen. Und das wiederum schnürt die Bande noch enger. 

 

Mein europäisches Sicherheitsdenken wurde bei der Reiseplanung schon ein paar Mal belächelt. Als ich versucht habe, einen Platz in einem Kloster zu reservieren, bin ich über Webseiten aus einer anderen Welt gestolpert. Einen Buchen-Button habe ich auf denen vergeblich gesucht. Ich wollte unbedingt meine Route fixieren und konnte kaum glauben, dass die Kloster anderes zu tun haben, als ihre Webpräsenz auf dem neuesten Stand zu halten. Inzwischen lache ich selbst über mich, wenn ich an den inneren Kampf in diesem Moment denke. Ich habe jetzt schon gelernt loszulassen und nichts zu forcieren. Das Bewusstsein Zeit zu haben, muss sich erst einstellen. Ich kann mir meine Zeit vor Ort einteilen, wie ich will und bin an keine Reisepläne gebunden. Ob ich einen Monat oder ein Jahr bleibe, entscheide ich spontan. Das ist ein Luxus, den ich nie hatte und mit dem ich erst lernen muss umzugehen. 

 

Die Planung meiner Abreise hingegen erfordert viel Geduld und Einsatz. Meine Tasklisten sind bis zu meiner Abreise im Februar auf den Tag genau beschrieben. Die Schweizer Bürokratie hat mich schon etliche Male zum Verzweifeln gebracht. Auswandern ist ein Kraftakt. Ich bin Deutsche und sollte es aus meinem eigenen Land kennen, aber es ist schon ganze 11 Jahre her, dass ich dort meine Zelte abgebrochen habe. Ich bin bisher davon ausgegangen, mich dort wieder anzumelden, bis ich vor Kurzem erfahren habe, dass ich nicht gemeldet sein muss. Staatenlos ohne Meldeadresse zu leben hört sich verwegen an und stellt mein Sicherheitsbewusstsein auf eine harte Probe. Andererseits erspart es mir ein paar ungeliebte Amtsgänge und lässt mir Raum, mich für ein Land zu entscheiden, in dem ich gern eine neue Existenz aufbaue.

 

Ich lasse mir keine Hintertür offen und setze alles auf Plan A. Das stösst bei einigen Menschen in meinem Umfeld auf komplettes Unverständnis. Ich liebe die Momente, in denen ich gefragt werde, wann ich mich denn auf einen neuen Job bewerben würde. Wenn ich dann erkläre, dass meine Zukunftsplanung bis zu meiner Abreise nicht weiter vorangehen würde und ich auch in einem Monat nicht mehr als jetzt sagen könne, schaue ich in grosse, ungläubige Augen. Vor zwei Jahren hätte ich auch so reagiert. Heute denke ich anders.

 

Grossartige Sachen passieren nur, wenn Du dem Universum die Möglichkeit gibst, sie Dir zu schenken. Wenn Du immer an einem Platz festhältst, wie sollst Du dann jemals die Reichtümer der Ferne erfahren? Sobald ich mich freigemacht habe von den Regeln der europäischen Welt, mit denen ich aufgewachsen bin und die zu meinen Glaubenssätzen geworden sind, kann ich die Optionen sehen, die das Leben für mich bereit hält. Vielleicht sind das ganz neue Möglichkeiten an Orten, die ich noch nie gesehen habe. Vielleicht treibt mich diese Reise aber auch zurück zu meinen Wurzeln. Alles ist offen und ich bin bereit, mich darauf einzulassen.

 

In 3 Monaten ziehe ich bereits aus meiner Wohnung aus. Bis dahin jongliere ich mit den Pflichten meines alten Lebens, der Vorbereitung auf einen neuen Abschnitt und meinen Gefühlen, die mit beidem einher gehen. Es ist eine spannende und lehrreiche Zeit. Ich bin froh mit dem Schreiben dieses Blogs, alles verarbeiten zu können und dass es Menschen wie Dich gibt, die meine Geschichte verfolgen. Ich halte Dich auf dem Laufenden.

 

Danke fürs Lesen.

Happy day,

 

Deine Anja

 

 

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