Same Same. Wiederkehrende Lektionen.

December 2, 2018

Das Leben gibt uns immer wieder dieselben Lektionen, bis wir aus ihnen gelernt haben. Das ist ätzend, denn wenn man in der Opferrolle ist und sich sowieso schon vom Leben gebeutelt fühlt, ist das ein Teufelskreis, aus dem es schwer ist auszubrechen. Und auch wenn man wie ich ein positiver Mensch ist, kann einen das ganz schön ins Wanken bringen.

 

Der Schlüssel ist zu erkennen, dass nichts jemals weggehen wird, bis es Dich gelehrt hat, was Du wissen musst. Meine persönliche wiederkehrende Lektion ist der Bandscheibenvorfall. Kurioserweise habe ich erst vor einem Monat über meinen Kampf mit der Bandscheibe geschrieben. Und schon ist er da - Nr. 3. Ich habe hin und her überlegt, warum gerade jetzt mein Körper wieder ein Warnzeichen sendet. Meine grösste Angst, wenn ich an meine grosse Reise denke, ist dass ich irgendwo auf einer dünnbesiedelten Insel Rückenprobleme bekomme und keinen westlichen Arzt habe, der mir helfen kann. Und jetzt wird mir gezeigt, dass dies kein Weltuntergang ist. Mit der Kraft meines Willens muss es keine monatelange Prozedur werden. 

Das Bild meiner lädierten Wirbelsäule hat es mir ganz klar aufgezeigt: Ich werde nie einen gesunden Rücken haben. Trotz einer offensichtlichen Fehlstellung war ich aber die letzten zwei Jahre schmerzfrei.

 

Ist also wirklich alles nur Einstellungssache? Zwei Tage bevor die Diagnose gestellt wurde, war ich bei der Akupunktur. Mit einer Leichtigkeit verkündete mir Frau Chen, dass dies wieder eine vorgerutschte Bandscheibe sei und ich nicht weinen solle. Dies sei mein persönlicher Schnupfen, der eben immer mal wieder auftauchen würde, um mich zu ärgern. Aber es sei nichts, dass mein Leben nachhaltig verschlechtern würde. Ich müsse einfach lernen damit zu leben. Ich hatte davor eine schlaflose Nacht verbracht. Tausend Gedanken schwirrten durch meinen Kopf. Was, wenn es wieder die Bandscheibe ist? Was, wenn es wieder Monate braucht bis zur Genesung? Ich werde die Reise verschieben müssen, dabei habe ich doch schon Job und Wohnung gekündigt. Ich werde wieder bei meinen Eltern einziehen und von Sozialhilfe leben müssen. Das Gedankenkarussell in der Nacht war unbarmherzig, aber Frau Chen fing mich auf.

 

Alle Begegnungen in unserem Leben haben einen Grund. Und manche Menschen sind die Überbringer wichtiger Nachrichten. Oft ist man zu abgelenkt, um richtig hinzuhören. Aber ich war ganz klar. Die Worte von ihr waren meine Lektion. Als der Hausarzt dann das MRT machte, war ich auf die Diagnose gefasst. Nun hatte ich es schwarz auf weiss. Und es war ok. Ich fühlte einen Pragmatismus in mir aufsteigen, der alle Ängste verdrängte. Ich übersprang die Phase des Selbstmitleids und startete gleich mit meinem Genesungsprogramm. Da der letzte Vorfall erst zwei Jahre her ist, weiss ich genau, was mir gut tut und was nicht. Ich spüre, dass eine Genesung im Eiltempo möglich ist. 2 Wochen nach dem ersten grossen Schmerz bin ich bereits diagnostiziert, akupunktiert und Kortison-infiltriert. 

 

Jetzt heisst es abwarten. Denn die Geduld kann ich leider nicht auslassen. Seit vier Tagen liege ich auf der Couch- schmerzfrei. Ich verkneife mir, mich zu verbiegen um zu schauen, ob es wehtut. Das hat mir mein Arzt verboten. Das ist gar nicht so einfach, denn die Schmerzfreiheit kann tückisch sein und verschwinden, sobald ich im Alltag ankomme. Und so vertraue ich und male mir aus, wie ich an Weihnachten wieder fit bin. Ich habe viel Zeit, mir alles genau zu manifestieren. Es war auch schön, meinen Arzt wiederzusehen. Er kommt aus dem Iran, ist sehr attraktiv und nimmt sich immer viel Zeit für mich. Wir haben sogar über meine Reise gesprochen und was ich mir davon erhoffe. Ein Gesandter aus dem Orient sorgt dafür, dass sich meine Träume erfüllen. Das ist doch eine wunderbare Vorstellung.

 

Die Zeit auf der Couch nutze ich auch, um einen Pakt zu schliessen. Endlich meinen Ehrgeiz hintenan zu stellen und achtsamer zu sein. Und dabei muss ich mich von einer Leidenschaft verabschieden. Ich werde nicht mehr rennen. Es hat nicht gereicht, nur auf lange Strecken zu verzichten. Das Opfer ist, es ganz zu lassen. Es fällt mir nicht leicht, aber es wäre auch kein Opfer, wenn es das täte. Nicht nur wegen der Bewegung, die ich geniesse, sondern auch, weil ich gern als Läuferin gesehen werde. Ich bin gern die sportliche Anja, die jeden Tag der Woche trainiert. Und das ist der eigentliche Kern - mein Ego. 

 

Auf meiner grossen Reise werde ich noch viele Momente erleben, in denen mein Ego mir im Weg steht. Ich bin gespannt, welche Lektionen noch auf mich warten und ob ich die von meiner Bandscheibe nun endlich gelernt habe und ich das Kapitel endlich schliessen kann. Ich lasse Dich gern daran teilhaben und berichte hier.

 

Danke fürs Lesen.

 

Happy day,

Deine Anja

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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