Das genüssliche Sein.

March 12, 2019

Die Tage plätschern vor sich hin und ich geniesse das süsse Nichtstun. Schon fast zwei Wochen ist es her, dass ich als stressgeplagte, verschnupfte Weltreisende in Talalla eingekehrt bin und mich in die Hände des ayurvedischen Arztes begeben habe. Die verordnete Fastenkur habe ich überstanden und wie bei vielem hier festgestellt, dass es letztendlich gar nicht so schlimm war wie prophezeit. 

 

Obwohl tatsächlich ein paar Kilos gepurzelt sind, was nicht zu vermeiden ist, wenn man plötzlich literweise Tee trinkt, jede Mahlzeit warm einnimmt und das Essen genau auf den eigenen Typ abgestimmt ist, war das nicht das Ziel der Behandlung. Vielmehr freue ich mich über die gewonnene Energie, das Verschwinden meiner Rückenschmerzen und die strahlend schöne und weiche Haut, die die Entgiftung hinterlassen hat. 

 

Der graue, wortkarge Bazillus, der sich von Termin zu Termin hangelte, ist verschwunden. Stattdessen tänzele ich zwischen den Behandlungen, halte ein Pläuschchen hier, mache einen gemeinschaftlichen Strandspaziergang da und fühle mich einfach grandios. Ich weiss nicht, wann ich mich das letzte Mal so aufgeweckt gefühlt habe. Ich komme mir vor wie in der Truman Show, in der alle Menschen stets ein Lächeln auf den Lippen haben und Dich mit wachem Blick begrüssen. Vorsicht ansteckend.

 

Die vielen wunderbaren Gespräche mit anderen Reisenden haben zarte Freundschaftsbande geknüpft. Jeder hat seine eigene Geschichte, die ihn hierher gebracht hat, und mit einigen teilt man diese Geschichten. Man inspiriert sich gegenseitig. Das ist ein Geben und Nehmen. Der Blick eines Aussenstehenden, der sich mit ähnlichen Themen beschäftigt, auf die eigenen Baustellen bringt manchmal genau den einen Impuls, der noch gefehlt hat, um sich endlich etwas zu trauen, das man im Kopf schon ein paar Mal durchgespielt hat, sich aber nie getraut hat zu tun.

 

Und das Gefühl weiterzukommen ist mit so vielen Endorphinen verbunden. Für einige Momente habe ich die Zukunft zum ersten Mal sehr konkret und blumig gesehen. Im nächsten Moment waren wieder nur Fragmente übrig, und ich war nicht schnell genug, alles aufzuschreiben. Aber das grosse Ganze kommt wieder. Aus allen Fragmenten baue ich meinen Lebenstraum. Und während meiner Reise kann ich schon an der Verwirklichung arbeiten. Alle neuen Begegnungen bringen Dir immer wieder die Hilfe, die Du gerade brauchst. 

 

Glücksgefühle gab es in den letzten Tagen so viele. Übermütig und verwegen kam ich mir vor, als ich mit ein paar Mädels nach dem Abendessen das Resort verliess, um in der benachbarten Strandbar ein Reggaekonzert zu besuchen. Ich war vorher noch nie am Abend draussen. Da jeder zwanzig Uhr auf seinem Zimmer ist und dann Stille herrscht, war das Kontraprogramm umso aufregender. Plötzlich vom Kellner gefragt zu werden, was man trinken möchte und nicht sofort einen Kräutertee eingeschenkt zu bekommen, erschien mir so surreal. Wir kamen uns vor wie Schulschwänzer, die sich davonstehlen, um heimlich Cola zu trinken. Ja, ich habs getan. Selbst bei den strengsten Diäten gibts einen Cheatingday. Und ich habs genossen.

 

Damit habe ich das Tor nach draussen aufgestossen. Neben dem Ayurvedaprogramm gabs jetzt auch ein Spassprogramm. Vor dem Morgengrauen standen wir auf, um mit dem Jeep durch den Udawalawe Nationalpark zu fahren. Die Gerüche, die Geräuschkulisse und das Gefühl des Fahrtwindes auf der Haut waren unglaublich intensiv. Gesteigert wurde das Ganze von den vielen exotischen Tieren und Bäumen im Park. Wir wünschten uns Elefanten, und wir bekamen sie. Ehrfürchtig standen wir minutenlang vor ihnen und beobachteten jede ihrer Bewegungen. 

 

Der Verführung zu widerstehen ist hart. Ein Besuch in der alten Kolonialstadt Galle, direkt an der Südwestküste von Sri Lanka, wurde zur Bewährungsprobe. Noch einen Cheatingday erlaubte ich mir nicht und umso schwerer war es, dem grossen Eiscreme-Angebot zu widerstehen und den vielen Kaffeespezialitäten. Der Ort war aber auch ohne diese Genussmittel betörend. In einem Teehaus tranken wir samtigen Ceylon und beobachteten die bunt angezogenen Einheimischen. Ich kam mir vor wie in Kuba. Der Mix aus alten Kolonialbauten, dem halbverfallenen riesigen Fort mit der Stadtmauer, den lebensfrohen Menschen und dem Tee wirkte wie ein Aphrodisiakum. Nur die Musik fehlte. Stattdessen rauschte das Meer. 

 

Meine Tage im Ayurveda Resort sind gezählt. Ich bin nicht traurig, denn irgendwann ist diese Blase der Seligkeit genug und ich möchte mich in andere Abenteuer stürzen. Der Flieger nach Bangkok wartet auf mich. Die Erfahrung meiner Panchakarma-Kur teile ich mit Dir. Wenn Du wissen möchtest, was dabei genau passiert und welche Behandlungen dazugehören, erfährst Du dies in meinem Panchakarma-Erfahrungsbericht.

 

Danke fürs Lesen.

 

Happy day,

Deine Anja 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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