Mein Panchakarma. Erfahrungsbericht.

March 12, 2019

Jeder, der einmal eine Panchakarmakur gemacht hat, wird zum Wiederholungstäter. Die wohltuende Wirkung für Körper und Geist ist nicht vergleichbar mit anderen Behandlungen, und insgeheim plant man bereits seine Rückkehr, bevor man überhaupt abgereist ist. 

 

Die Erfahrungen meiner ersten Kur möchte ich mit Euch teilen. Ich selbst habe mich zuvor zuwenig mit dem Thema beschäftigt, weil ich mich überraschen lassen wollte. Das war nicht schlecht, aber vor Allem die ersten Tage hätte ich intensiver wahrgenommen, wenn ich gewusst hätte, wie mein eigenes Mindset die Wirkung der Kur noch unterstützen kann. 

 

Wie es mir während der Kur erging, könnt Ihr im 1. Teil vor dem Fasten und 2. Teil nach dem Fasten lesen. Hier gehe ich tiefer ins Detail.

 

Arten der Panchakarmakur

Ich konnte wählen zwischen drei Arten:

  • Lightkur - für eine Dauer von weniger als zehn Tagen

  • Intensivkur - für einen längeren Aufenthalt (meine Kur ging 16 Tage)

  • Heilkur - für die Behandlung schwerwiegender gesundheitlicher Probleme

 

 

Medizinische Betreuung

Während der gesamten Kur steht jedem Gast ein Ayurveda-Arzt zur Verfügung. Am ersten Tag findet die Aufnahmekonsultation statt, in der der Doktor die Konstitution begutachtet, die Ausgewogenheit der Doshas bestimmt und die Wünsche des Patienten aufnimmt, welche Themen behandelt werden sollen. Hierbei kann es sich um ernsthaftere Probleme handeln, wie bei mir der noch nicht auskurierte Bandscheibenvorfall, aber auch um kleine Sachen wie Haarausfall, Schlaflosigkeit, Gewichtsreduzierung & Co. 

 

Der Arzt erstellt für die Dauer der Kur einen Behandlungsplan und stellt die natürlichen Medikamente zusammen, die täglich eingenommen werden. Ausserdem gibt er eine Empfehlung, welche Lebensmittel gegessen werden dürfen und welche gemieden werden sollten. 

 

Nach dem Fasten gibt es eine Zwischenkonsultation, in der die Fortschritte betrachtet werden und etwaige Anpassungen in der Medikation und den Behandlungen vorgenommen werden.

 

Vor der Abreise findet die Endkonsultation statt, in der der Gast eine Empfehlung zur Ernährung daheim erhält und Inspirationen, wie man auch in Europa den ayurvedischen Lebensstil verfolgen kann.

 

Jederzeit kann der Arzt angesprochen werden, wenn Fragen oder Probleme auftreten.

 

 

Ernährung

Es gibt drei Hauptmahlzeiten plus die Teezeit mit ayurvedischem Gebäck.

 

Das Frühstück wird am Tisch serviert und besteht immer aus einer warmen Suppe, Früchten, einem Fruchtsaft und wechselnden kalten Gerichten.

 

Zum Lunch und Abendessen gibt es ein grosses Buffet mit abwechselnden warmen Suppen, Currys, Dhals und anderen leckeren Sachen. Mittags immer vegetarisch, abends mit Huhn oder Fisch. Früchte fehlen nie und werden rotierend mit Sago, Curt oder anderen milchähnlichen Produkten serviert.

 

Getränke

Tee und heisses Wasser können bis auf wenige Ausnahmen, bei speziellen Behandlungen, immer und überall getrunken werden. Säfte werden zu den Mahlzeiten angeboten. Zur Teatime gibt es auch wunderbaren Ceylontee mit Milch. 

 

Essensplatz

Jeder Gast hat einen eigenen Tisch im grosszügigen Garten mit Blick auf das Meer. Somit kann sich jeder ganz auf sein Essen konzentrieren. Der Tisch ist während des Aufenthaltes immer der gleiche und mit der Zimmernummer versehen, da er jeweils nach dem Tagesprogramm eingedeckt wird. Fastet jemand, steht nur die Teetasse auf dem Tisch, bei keinerlei essensbeeinträchtigenden Behandlungen ist der Tisch voll eingedeckt. Dies erleichtert die Orientierung ungemein.

 

 

Panchakarma

Panchakarma (pancha=fünf, karma=Handlung) ist eine Reinigungskur und die Grundlage des Ayurveda.

Sie besteht aus fünf Vorgehensweisen, den Körper zu reinigen, von denen im Surya Lanka nur drei (1-3) angewendet werden.

  1. Virechena - gezieltes Abführen (Pitta ausleitend)

  2. Vasti - Öleinlauf (Vata ausleitend)

  3. Nasyam - Nasenspülung mit Öl (Kapha ausleitend)

  4. Vamana - therapeutisches Erbrechen

  5. Rakta Moksha - Blutreinigung mit Blutegeln

 

Für jemanden, der sich zum ersten Mal damit beschäftigt, mag das abschreckend oder beängstigend wirken, aber das ist es nicht.

 

Fasten

Die drei angewendeten Vorgehensweisen (1-3) werden durch das Fasten unterstützt. Im ersten Teil der Kur findet das Virechena statt, das durch 2-4 Tage Snehanam, die innere Ölung, vorbereitet wird. Dabei trinkt man als Frühstücksersatz ein kleines Glas Sesamöl oder Ghee und reduziert nach und nach seine Nahrungsaufnahme. Am Virechena-Tag nimmt man nur heisses Wasser und dünne Suppe zu sich. Die Wirkung der Entgiftung merkt man recht schnell. Es können Kopf- oder Rückenschmerzen, Ausschläge und Müdigkeit auftreten. Das Hungergefühl ist aber erträglich. Ich habe nach meinem Verständnis insgesamt nur zwei Tage gefastet, denn die Nahrungsaufnahme wurde bald wieder gesteigert.

Nach dem Fasten waren meine Beschwerden verschwunden und mein Energielevel hoch wie nie.

 

 

Behandlungen

Der Behandlungsplan wird vom Doktor auf die entsprechenden Kurziele ausgerichtet. Alle Massagen sind sehr wohltuend, und es wird viel Öl verwendet. Dieses wird anfangs vom Arzt individuell gemischt. Jeden Tag erhält man 6-8 Treatments, die in 3 Behandlungsterminen kombiniert werden.

 

Basis ist eine Ganzkörpermassage, die mit verschiedenen Teilmassagen, Kopf, Schulter & Nacken, Gesicht oder Rücken, ergänzt wird. Weitere Behandlungen wie Dampfbad, Kräuterbad, Inhalation und die Stempelmassage unterstützen die reinigende Wirkung.

 

Besondere Highlights sind die Synchronmassage mit 4 Händen, Akshitaparna, das Augenbad mit Ghee und Shirodhara, der Stirnguss mit warmem Öl.

 

 

Wahrnehmung

Jeder Gast empfindet die Behandlungen anders. Ich habe gelernt, mich nicht beeinflussen zu lassen, vor jeder Behandlung die Lektüre zu studieren und mich genau an die Richtlinien zu halten. 

Es gibt einige Behandlungen, die einem Angst machen, die durch schlechte Erfahrungen von anderen noch geschürt wird. Genau die Behandlungen, vor denen ich Respekt hatte, waren aber überhaupt nicht schlimm und andere Treatments, an die ich hohe Erwartungen gestellt habe, waren nicht so grandios, wie ich gedacht habe. Letztendlich bauen alle Behandungen aufeinander auf und manche entfalten ihre Wirkung eher im Versteckten, sind aber nicht weniger wichtig als die anderen. 

 

 

Programm

So ein Kurtag ist gut gefüllt mit Behandlungen und den Mahlzeiten. Viele nutzen die Zeit zwischendurch zum Schwimmen, Spazieren, Lesen oder für Unterhaltungen mit den anderen Gästen.

Trotzdem gibt es ein schönes Rahmenprogramm, wenn einem der Sinn nach mehr Aktivität steht.

  • Yoga und Mediatation - Morgens und abends je 90 Minuten, outdoor.

  • Panchakarma-Talk - Der Arzt beantwortet alle Fragen der Gäste und gibt einen Einblick in die Welt des Ayurveda.

  • Ayurvedischer Kochkurs - Der Chef demonstriert die Zubereitung verschiedener ayurvedischer Gerichte.

  • Ausflüge - Teeplantagen, Tempel und nahegelegende Orte können besucht werden. Das Hotel bietet kostenlose Gruppenausflüge an.

 

Hotel Surya Lanka Ayurveda Kur Resort

Ich habe mich für eine Panchakarma Kur in Sri Lanka entschieden, weil ich nur Gutes von diesem Land gehört habe und noch nicht bereit für Indien war, der Geburtsstätte des Ayurveda. Das Hotel ist sehr traditionell, mit fantastischem Ruf und liegt im Süden der Insel bei Matara. Eine wunderschöne Bucht mit dem Talalla Sunset Beach liegt vor dem Garten des Hotels. Viele der Gäste waren bereits in anderen Ayurvedaresorts und haben das Surya Lanka immer als herausragend bezeichnet. Hier spürt man Sri Lanka. Jeder Wunsch wird einem von den herzlichen und engagierten Mitarbeitern von den Augen abgelesen.

 

 

Reiseanbieter Neue Wege Reisen

Seit Jahren habe ich mal wieder über ein Reisebüro gebucht. Ich hatte mir vorher meine Reise individuell zusammengestellt und bin dann auf Neue Wege Reisen gestossen, die sich auf Ayurveda- und Yogareisen spezialisiert haben. Die Beratung war super und der Preis im Vergleich zur individuellen Reise minimal höher.

 

 

Fazit

Ferien der besonderen Art. Eine Panchakarmakur sollte jeder einmal machen, denn vorher kann man sich die Wirkung von gutem Essen, Ruhe und den vielfältigen Behandlungen nicht ansatzweise vorstellen. Man sollte sich mindestens zwei Wochen Zeit nehmen, um in den vollen Genuss zu kommen. Überraschend sind die Gespräche, die man hier führt. Jeder Gast hat seine eigene spannende Geschichte, die ihn zu dieser Kur bewegt hat. Schnell ist man in tiefgründige Gespräche verwickelt, denn für Oberflächlichkeiten hat man hier keine Musse. Jeder reist mit neuen Vorsätzen und viel Inspiration ab. Ich werde definitiv wiederkommen.

 

 

Fragen

Sicher konnte ich in diesem Erfahrungsbericht nicht auf alle Themen eingehen oder nicht tief genug. Solltest Du Fragen haben, schreibe mir gern eine Email oder per Chat auf Instagram.

 

 

Danke fürs Lesen.

 

Happy day,

Deine Anja

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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