Thailand auf den ersten Blick.

March 23, 2019

Endlich ist mein Traum in Erfüllung gegangen. Ich bin in Thailand! Für viele mag das nichts Besonderes sein, denn inzwischen war fast jeder schon mal im alten Siam. Ausser mir. Ich hatte früher immer die Vorstellung, dieses Land mit meinem Partner zu entdecken. Dumm nur, dass der nicht viel mit Asien anfangen konnte und mein Traum somit unerfüllt blieb.

 

Heute ist mir klar, dass man selbst für sein Glück verantwortlich ist. Und erfüllte Träume spielen dabei eine grosse Rolle. Aber alles braucht eben seine Zeit. Ich wäre früher nie auf die Idee gekommen, ein Land allein zu bereisen. Inzwischen empfinde ich dabei die absolute Freiheit. 

 

Ganz allein reise ich genaugenommen seit gestern. Da hat sich meine Freundin, die mich ein paar Wochen begleitet hat, auf den Heimweg gemacht. Nach unserer Panchakarmakur in Sri Lanka sind wir für einen vollen Tag in Bangkok gelandet, bevor es in den Süden ging. Diese 24 Stunden waren verrückt, abenteuerlich, heiss und überirdisch. 

 

Bangkok hat meine Erwartungen voll erfüllt. Die Stadt ist auf den ersten Blick erdrückend und hässlich, besticht aber durch innere Werte und einige wunderschöne Highlights. Und vor Allem durch seinen Groove. Die Zeit vergeht unbemerkt. Während man sich auf einem der vielen Märkte nur mal umsehen möchte, wird man immer tiefer hineingesogen, betört und vergisst das eigentliche Ziel. Der Blick auf die Uhr liess mich hochschrecken, denn der halbe Tag war schon vorbei und noch kein Tempel besucht. Mit der einheimischen Fähre ging es also zum kulturellen Teil. In den reich verzierten Anlagen, in denen bunt gekleidete Touristen und Mönche ehrfürchtig umherschlichen, herrschte eine märchenhafte Atmosphäre.

 

Ich erinnerte mich an meinen Wunsch, während meiner Reise ein Meditationsretreat in einem Tempel zu machen und sprach einen Mönch darauf an. Ihm gefiel mein Interesse an der buddhistischen Meditation so sehr, dass er mich spontan zu einer Lehrstunde in einen abgelegenen Pavillon in der Tempelanlage einlud. In der Abenddämmerung unterrichtete er mich die "Inside-Meditation" im Sitzen und im Gehen. Es kam mir so surreal vor und ich konnte mein Glück kaum fassen, diesen besonderen Moment mit ihm erleben zu dürfen. Seiner Einladung, ein von ihm geführtes Vipassana zu absolvieren, möchte ich gern folgen, wenn mich meine Reise zu dem Zeitpunkt wieder nach Bangkok führt. Als mich der Mönch nach meinem Facebook-Namen fragte und uns verlinkte, kam ich mir noch mehr vor wie in einem modernen Märchen.

 

Am nächsten Tag ging es dann auch schon nach Ao Nang in der Provinz Krabi. Traumstrände mit ungewöhnlichen Felsformationen, üppige Vegetation und eine grosse Vielfalt an Tierarten machen den Reiz der Region aus. Gereizt hat mich aber als Erstes die Überflutung von Touristen. Ich empfand als Erstes Enttäuschung, als wir in den Ort einfuhren. Der Strand war überlaufen, an der Promenade reihten sich alle amerikanischen Fastfood- & Kaffeeriesen, und in den Restaurants häuften sich sonnenverbrannte Touristen oberkörperfrei die Teller an den Buffets voll. Ich wollte weg, wollte einen Traumstrand ganz für mich allein. Wir fuhren mit dem Longboat zu einem dieser Plätze, doch die Schönheit wurde vom Krach der Touristen und der nicht abreissenden Schar an Booten zerstört.

 

Ich habe mich noch nie so sehr dem "Lonely Planet" verbunden gefühlt, der uns auf einen versteckten Weg zu einem Aussteiger-Strand hinwies. Wir folgten dem Tipp und fanden endlich unser Strandparadies, an dem keine Boote hielten und an dem Kletterer aus aller Welt ihr Können an den riesigen Felsformationen direkt am Strand verbessern konnten. Wir beobachteten das spannende Treiben vom Café am Meer und erkundeten die Gegend, die stark von Ebbe und Flut beeinflusst wurde und ihr Aussehen dadurch ständig veränderte. 

 

Die nächsten Tage verbrachten wir an Orten, die uns Einheimische empfahlen und die mehr meiner Art des Reisens entsprachen. Wir badeten mit Elefanten, bestiegen Berge zu Tempeln über der Baumgrenze und erkundeten Nationalparks, die wenig besucht waren. Die Menschen, die uns auf diesen Touren begegneten, waren erlebnishungrig wie wir und erzählten von den Orten, die sie schon bereist hatten. Endlich kamen wir auch in den Genuss der typisch thailändischen Freundlichkeit, die in dem Touristenort an vielen Stellen bereits abgestumpft war. Somit vergingen auch diese Tage wie im Flug, bevor wir wieder zurück nach Bangkok reisten. Es war wie nach Hause zu kommen. Die Stadt hatte mich mit so vielen Versprechungen gehen lassen, die jetzt alle erfüllt werden sollten.

 

Es reichte noch genau für einen gemeinsamen Sonnenuntergangsdrink auf einem der Dächer über Bangkok, den wir wegen der Lehrstunde mit dem Mönch beim letzten Besuch verschieben mussten. Danach stieg meine Freundin ins Taxi zum Flughafen, um heimzufliegen. Und ich blieb auf dem Dach zurück und kam mir plötzlich ganz klein vor. Die Sonne war weg, die Stadt unter mir lag in greller, bunter Beleuchtung und feierte mit mir den Beginn meiner Soloreise. Ich war hin- und hergerissen. Ich hatte Ehrfurcht vor dem, was vor mir lag, und war andererseits voller Tatendrang. 

 

Ein paar Tränen liefen mir über die Wange, als ich mein Glas auf die Zukunft erhob. Die aufregendste Zeit meines Lebens hat begonnen und ich fühle mich zu nichts verpflichtet, ausser meiner eigenen Angst die Stirn zu zeigen. Ich freue mich, dass Du meinen Weg begleitest.

Danke fürs Lesen.

 

Happy day,

Deine Anja

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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