Abenteuergeist.

April 25, 2019

Nach zwei Monaten auf Reisen bin ich angekommen. Eine Tiefenentspanntheit, die ich so noch nie erfahren habe, begleitet mich jeden Tag und die Gedanken an mein altes Leben werden weniger.  Die Relation zu Zeit ist eine andere. Welcher Wochentag ist, weiss ich schon lange nicht mehr und es interessiert mich auch nicht. Ich lebe im Moment und versuche viele unvergessliche von ihnen zu kreieren. Ein Abenteuer reiht sich an das nächste, wie eine Perlenkette voll mit wunderschönen glänzenden Erinnerungen. 

 

Jedesmal wenn ich das Gefühl habe, es geht einfach nicht noch schöner, werde ich eines Besseren belehrt. Nachdem ich viele verschiedene Facetten von Thailand erkundet hatte und von der Vielfalt des Landes und der Freundlichkeit der Menschen begeistert wurde, landete mein Flieger in Bali. Schon am Flughafen war ich beeindruckt von der landestypischen Kunst, die bereits von der Landebahn aus zu sehen war. Bunte Mauern statt Stacheldrahtzäunen und eine riesige bunte Kriegerstatue waren die ersten Boten der Insel, die ich schon immer bereisen wollte. Bali - Mediatationen in saftigen Gärten, Yoga in Baumhäusern und veganes Essen in hippen Cafés inmitten unzähliger digitaler Nomaden. Bald werde ich mich in dieses Vergnügen stürzen. Aber noch nicht jetzt..

 

Noch habe ich meinen kanadischen Begleiter an meiner Seite und möchte die Zeit mit ihm nutzen, ganz viele Abenteuer zu erleben, für die ich allein nicht den Mut hätte. Wir haben ganze sechs gemeinsame Wochen in diesem atemberaubenden Land und kosten jeden Moment aus. Uns so verliessen wir Bali schon nach wenigen Stunden und machten uns mit dem Schnellboot auf nach Gili Trawangan, einer autofreien Trauminsel bei Lombok, die von Aussteigern, Nomaden und Tauchtouristen dominiert wird. Schon die Anfahrt ist spektakulär und stimmt einen auf den lockeren Inselgroove ein. Hier verbringt man seine Zeit am, im oder unter Wasser. Die schönsten Cafés und Bars sind nur ein paar Schritte vom türkisen Wasser entfernt und lassen keine Wünsche offen. In gemütlichen bunten Sitzsäcken wird beobachtet, ausgeruht oder geschlafen. Das Schnorchelequipment immer in greifbarer Nähe und leckeres Essen und ausgefallene eiskalte Getränke schnell zu ordern.

 

Bunte Korallen sind vom Strand zugänglich und das stundenlange Schnorcheln, das auch auf meiner inzwischen braungebrannten Haut einen fiesen Sonnenbrand hinterliess, schürten den Abenteuergeist. Ich buchte meinen ersten Tauchgang, 16 Monate nach meinem Tauchkurs. Ich fühlte mich wie beim ersten Mal, hatte alle Regeln vergessen und war sehr nervös. Glücklicherweise hatte ich den Tauchmaster ganz für mich und er gab mir eine Auffrischungslektion, die mein Selbstbewusstsein stärkte. Unter Wasser fühlte ich mich schnell wohl und konnte den Anblick von Korallen und bunten Fische geniessen und Mut für weitere, anspruchsvollere Tauchgänge gewinnen.

 

Aber erstmal wartete ein Segelboot auf mich. Drei Nächte und vier Tage an Bord, viele Stopps an exotischen Orten und ganz viel Zeit zum Schnorcheln. Das Programm war ausgefallen und vielfältig. Auf Komodo Island wanderte ich durch den Dschungel auf der Suche nach dem gefährlichen Komodowaran. Angsteinflössend und surreal, als gleich zwei von ihnen vor mir standen. Unwillkürlich wird man in die Zeit der Dinosaurier versetzt. Die Warane fressen alles, was sich auf der Insel bewegt. Und so sind auch grosse Säugetiere, die sich sonst im dichten Wald verstecken, am Strand unter freiem Himmel anzutreffen. Dort spielten Hirsche und Wildschweine im Sand, beobachtet von einem Drachen, der sich unter dem Pier versteckte. Ein unglaubliches Naturschauspiel. 

 

Die Sonnenauf- und untergänge während des Trips waren atemberaubend. Die Motoren wurden abgestellt und die Ruhe genossen. Oft wurde das Boot von Delphinen oder fliegenden Fischen begleitet. Ein echtes Paradies, wenn da nicht die Ungemütlichkeit an Bord wäre. Sitzsäcke, Hängematten oder Kissen suchte man hier vergeblich. Stattdessen gab es viel weisses Holz, das das bequeme Sitzen nach ein paar Stunden unmöglich machte und die helle Farbe zog die gleissende Sonne an, der man kaum entkommen konnte. Nach einem schweisstreibenden Tag war das Schwimmen im warmen Meer die einzige Reinigung. Die Nächte auf unbequemen, dünnen Matratzen waren schlaflos und heiss. Und das Essen, gebratener Reis mit Gemüse, war einseitig. Trotzdem würde ich die Reise genau so nochmals machen. Spätestens nach dem Besteigen der Berge der Padar Islands mit Blick auf die vielen Buchten, umrandet von anderen Bergen, war der Unmut über den fehlenden Komfort vergessen. Und die Gesellschaft der internationalen Reisenden an Bord und dem verrückten Reiseleiter, der stark an Jack Sparrow erinnerte, möchte ich auch nicht missen.

 

Auf Flores angekommen, fühlte ich mich sofort wohl. Die indonesische Insel im Osten besticht durch saftige Wälder, Berge mit tollem Panoramablick, menschenleere Traumstrände, grossartige Tauchdestinationen und vor Allem durch die Freundlichkeit und Offenheit der Menschen. Erstaunlicherweise ist deren Englisch sehr gut und selbst Kinder lernen die Fremdsprache früh. Wenn man hier durch die Strassen läuft, wird man von Jung und Alt angelächelt und mit einem "Hi Misses!" begrüsst. In der Hafenstadt Labuan Bajo sind die meisten Reisenden Taucher, die den ganzen Tag auf Schiffen unterwegs sind. Fährt man hier mit dem Scooter ins Landesinnere, ist man allein unter den Einheimischen und wird mit offenen Armen empfangen. Dies ist die Herzlichkeit, nach der ich gesucht habe. Und genau diese öffnet auch mein Herz. In jedem Ort tausche ich mich mit den Locals aus, spiele mit den Kindern und mache viele Fotos, weil jeder dieser Momente festgehalten werden will. 

 

Die Integration in diese Familien, wenn auch nur für einen Moment, lässt mich meine eigene Familie vermissen. Ich bin froh, jemanden an meiner Seite zu haben, der mich in diesen Momenten auffängt. Zu Beginn meiner Reise hat mir meine Schwester eröffnet, dass sie im Sommer heiratet und ich war die ganze Zeit unsicher, ob ich es schaffen würde, dabei zu sein. Inzwischen ist mir klar geworden, dass ich diesen Moment auf keinen Fall verpassen möchte. Alles kommt wie es kommen soll. Wie passend ist es doch, dass ich den Kurswechsel gen Westen nach meinem Heimaturlaub fortsetzen werde und den Atlantik überqueren werde, für ein neues Abenteuer.

 

So viele Geschichten über Langzeitreisende habe ich verfolgt, deren gleiches Fazit war, dass sich Pläne immer ändern und man nicht zuviel im Voraus denken solle. Inzwischen kann ich das absolut bestätigen. Ich freue mich, dass Du meine Reise begleitest und mir auch mal das ein oder andere Feedback sendest. Ich freue mich über jedes einzelne.

 

Danke fürs Lesen.

 

Happy day,

Deine Anja

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Please reload