Hallo und auf Wiedersehen.

July 20, 2019

 

 

Vor genau einem Jahr startete ich die Reise, die mein bisheriges Leben auf den Kopf stellen sollte. Ich packte meinen Koffer und mein Notizbuch und reiste allein durch Schweden.

Hinter mir lag eine turbulente Zeit und ich hatte das Gefühl, mich verirrt zu haben und meine eigenen Träume nicht mehr zu kennen. Umgeben von der betörenden Schönheit des Nordens überlegte ich mir, was meine Ziele im Leben waren und welche Dinge sich eingeschlichen hatten, die ich dort garnicht haben wollte. Ich genoss die Freiheit, mich nach niemanden ausser mir richten zu müssen und die wildesten Gedanken, die mir durch den Kopf schossen. Und in einem einzigen Moment spürte ich ganz klar, dass ich mehr von diesen Gedanken und der Freiheit haben wollte und dass es mein Leben wie es vor der Reise war, ab jetzt nicht mehr gab.

Wenn ich auf die Zeit zurückblicke und darauf, was seither passiert ist, wird mir bewusst, zu was ich in der Lage bin, wenn ich mich nur traue auf mein Gefühl zu hören.

 

Es ist erst ein Jahr her und doch scheint es wie eine Ewigkeit. Diesen Blog habe ich direkt nach meiner Rückkehr aus Schweden gestartet. Er half mir, meine Gedanken zu ordnen, meine Entscheidung mit der Welt zu teilen und damit das Zeichen zu setzen, dass ich das wirklich durchziehe. Ich kündigte meinen Job, meine Wohnung und sagte der Schweiz adieu. Das Auf und Ab meiner Gefühle konnte jeder auf meinem Blog verfolgen und die Reaktionen darauf anzunehmen, war eine Herausforderung, der ich mich zu stellen lernte. Viele Menschen fühlten sich inspiriert von meinem Mut und waren dankbar, dass sie meine Reise verfolgen konnten. 

 

Wenn ich meine Freunde heute frage, welche Veränderung sie an mir wahrnahmen, nennen sie häufig die Gelassenheit, die ich plötzlich ausstrahlte. Und es stimmt, ich fühlte mich verwegen, mutig und abenteuerlustig. Das war in diesem Ausmass neu für mich und trug mich über die ein oder andere Angst hinweg. Nicht vor dem Reisen fürchtete ich mich, sondern vor dem Danach. Aber über das wollte ich mir damals noch keine Gedanken machen. Keine Pläne lautete meine Devise, da ich von vielen Reisenden erfahren hatte, dass sich Pläne unterwegs sowieso immer ändern würden. Wie recht all diese Menschen hatten. Da ich an sich ein sehr vorausschauender Mensch bin und gern und viel plane, hätte ich mit mehr Schwierigkeiten gerechnet, aus meiner Komfortzone zu treten. Überraschenderweise ging das aber recht einfach vonstatten. Es war eben doch erstmal nur ein langer Urlaub und ich hatte mir ja schon in Schweden bewiesen, dass ich super allein zurecht kam. Und wie sollte ich das Danach planen, wenn ich nicht mal die Dauer meiner Reise kannte?

 

Die vier Monate, die ich in Asien unterwegs waren, vergingen wie im Flug. Es war eine neue, aufregende Welt und ich tauchte ein in die Freiheit des Langzeitreisens. Hätte ich nur eine begrenzte Anzahlt Urlaubstage zur Verfügung gehabt, wäre meine Route sicher effizienter ausgefallen, so aber liess ich mich treiben und reiste auch mal vom Süden eines Landes in den Norden und wieder zurück in den Süden. Ich liess mich gern inspirieren von den Erzählungen der anderen Reisenden und folgte ihren Empfehlungen. Das grösste Geschenk kam des Weges, als ich jemanden kennenlernte, der meine Leidenschaft für abenteuerliches Reisen teilte und mit dem ich fortan unterwegs war. Gemeinsam entdeckten wir abgelegene Gegenden und ermutigten uns gegenseitig, unsere Grenzen auszutesten. Es war aufregend, spontan und intensiv. 

 

Die Hochzeit meiner Schwester, die mich wieder nach Hause lockte, setzte der Zeit in Asien ein vorläufiges Ende. Auch mein Reisepartner kehrte in seinen Alltag zurück. Ich nutzte noch ein paar Tage allein auf Bali, um die letzten Monate zu reflektieren und mich auf die Heimkehr vorzubereiten. Ich wollte nicht, dass es den Eindruck erweckte, meine Reise sei hiermit zu Ende. Schliesslich sollte dies nur ein Zwischenstopp sein, um bei einem wichtigen Ereignis ganz nah bei meiner Familie zu sein. Ich war überrascht, wie wenig sich verändert hatte. Mal abgesehen vom Organisationsstress der unmittelbar bevorstehenden Trauung war eigentlich alles beim Alten. Ich fühlte mich wie im Heimaturlaub und daher war es ganz normal, dass ausser mir alle arbeiten gingen. Ab und an schlich sich aber eine Sehnsucht ein, nach einem eigenen Heim. Obwohl ich bei meiner Familie war, war ich doch nur Besucher. 

 

Meine Gedanken kreisten um das nächste Kapitel meiner Reise. Ich wollte nicht nach Asien zurückkehren, hier hatte ich vorerst alles gesehen. Etwas zog mich zur anderen Seite des Atlantiks. Jemand. Und somit buchte ich den Flug nach Canada. Vollgepackt mit Vorfreude auf das nächste Kapitel, nutzte ich die verbleibende Zeit für eine Reise durch Europa. Auch meiner alten Heimat Schweiz sagte ich hallo und genoss die Gesellschaft meiner Freunde. Die Tage waren gefüllt mit Aktivitäten und vergingen im Flug. Inzwischen bin ich bei einer lieben Freundin in Südfrankreich eingekehrt. Hier auf der Terrasse mit wunderschönem Blick auf das Tal zu sitzen, über die Zukunft zu sinieren und zu schreiben, bringt meine planungsfreudige Seite zum Vorschein. Statt mich vom Zirpen der Zikarden davontragen zu lassen, überlege ich, was meine nächsten Schritte sind. Die viele freie Zeit ist schön, doch wird sie nicht ewig anhalten. 

 

Wie sieht meine Zukunft aus? Ich möchte nicht in einen Job zurück, der meine Zeit auffrisst und in dem ich trotz allen Engagements austauschbar bin. Das Ziel meiner Reise war Vertrauen und Gelassenheit zu finden. Das habe ich. Mein Ziel im nächsten Kapitel ist es, diese zu behalten, wenn der Alltag wieder anklopft und nicht in alte Muster zu verfallen. Ich möchte die gewonnene Stärke nutzen, um meine Träume zu erfüllen, meinen gewonnenen Mut, um früher undenkbare Projekte umzusetzen und meine Liebe, um mir die Partnerschaft fürs Leben aufzubauen.

 

Das Leben ist eine einzige Reise und es liegt noch ein langer, spannender Weg vor mir. Ich freue mich, dass Du einen Teil davon begleitest und mit mir ins nächste Kapitel startest.

 

Danke fürs Lesen.

 

Happy day,
Deine Anja

 

 

Lies hier alle Beiträge aus:

Kapitel 1 - die Zeit bis zur Abreise.

Kapitel 2 - unterwegs in Asien.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Please reload