Fortsetzung folgt.

August 30, 2019

Wenn man wie ich, ein Geschichtenerzähler ist, zieht man auch die verrücktesten von ihnen an. Mein Leben produziert gerade Stoff für dutzende Blogeinträge. Ich sitze in einer Achterbahn, die Sicherheitsbügel sind fest angezogen, die erste grosse Abfahrt ist längst geschafft und seither rase ich hoch und runter und durch atemberaubende Loopings. Einmal in Fahrt, gibt’s kein Zurück. Ich halte bis zum Schluss durch. Mit tränenden Augen und klopfendem Herzen lasse ich das Unausweichliche geschehen und vertraue darauf, dass die Reise ein sanftes Ende nimmt und das ersehnte Gefühl der Erleichterung eintritt. Vorher muss ich aber die letzte grosse Aufregung überstehen - meine Reise nach Kanada.

 

Es ist gut, dass wir nicht immer wissen, was uns erwartet. Ich hätte die Reise nicht angetreten, wenn ich ihren Ausgang gekannt hätte. Und trotzdem bereue ich sie nicht, denn sie hat mich stärker gemacht. Sie hat alles auf den Prüfstand gestellt, was ich im letzten Jahr gelernt habe. Kanada wollte mich verführen und meine kühnsten Träume erfüllen, doch der Preis dafür war hoch. Und ich war stark und habe widerstanden.

 

Die wichtigsten Entscheidungen im Leben sind die, die am meisten wehtun. Entscheidungen, die Dich Deinem Ego gegenüberstehen und mit ihm kämpfen lassen. Wenn Du solche Herausforderungen überstehst, wirst Du reich belohnt, doch meist nicht unmittelbar. Bevor die Belohnung eintritt, fühlst Du Dich schwach. Ich hoffe, dass die Achterbahn gleich auf der sicheren Plattform einfährt und ich aussteigen kann. Meine Plattform heisst Heimat. Nichts fühlt sich gerade besser an, als in Berlin, ganz nah bei meiner Familie und Freunden zu sein. Erstmals seit über einem Jahrzehnt bin ich nicht Gast, sondern Bewohner.

 

Ich mag die Vorstellung, dass mich meine Reise in die Welt, zu meinen Wurzeln zurückgebracht hat. Dass der Ort, dem ich vor so langer Zeit den Rücken zugekehrt habe, sich verändert hat. Genauso wie ich mich verändert habe. Vielleicht ist die grösste Liebesgeschichte in meinem Leben die zwischen mir und Berlin.

 

In den letzten Wochen war ich schwach und stark, gütig und gemein, glücklich und ängstlich. Aber ich war immer bei mir. Ich möchte die Geschichten teilen, mit Dir und mit der Welt, doch dieser Blog ist nicht der Kanal dafür. Es ist schwer eine Grenze zu ziehen, ab wann Dinge zu persönlich zum Teilen mit einer Community sind. Ich merke, dass ich an diesem Punkt angekommen bin. Aber keine Angst, ich werde weiterschreiben und Du wirst erfahren, was mir auf der anderen Seite des Atlantiks passiert ist. Am Ende ist immer alles gut, und wenn es nicht gut ist, dann ist es nicht das Ende. Irgendwann gibt es ein Buch meiner Herzensreise.

 

Ich danke Dir für das Lesen meiner Geschichten und sende Dir alles Liebe.

 

 

Happy day,

Deine Anja

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